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Die
Programmiersprache - Das Programm LabVIEW:
Im
Gegensatz zu den
"klassischen" Programmiersprachen, wie z. B. C oder C++, werden bei
LabVIEW die Programme nicht textbasiert geschrieben, sondern in einem
Graphikeditor "gemalt". LabVIEW ist eine graphische
Programmiersprache, die den Vorteil gegenüber anderen
Programmiersprachen hat,
dass man nicht erst eine komplizierte Syntax erlernen muss. LabVIEW-Programme
ähneln
letztendlich Flussdiagrammen oder Struktogrammen. Die Logik der
Programmierung
steht im Vordergrund, nicht die Sprachelemente. Ein
weiterer entscheidender Vorteil entsteht zudem dadurch, dass LabVIEW
auch in
der Schule im Unterricht, z.B. in den naturwissenschaftlichen
Fächern,
Verwendung finden kann bzw. im Informatikunterricht erlernt werden kann.


Die
Abbildung zeigt ein kleines Programm, das die Fakultät
einer Zahl berechnet. Man sieht, dass die Rechenoperationen durch
Symbole
dargestellt werden, die Schleife durch einen Kasten. Der Datenfluss
zwischen
den Symbolen geschieht durch die Linien. LabVIEW-Programme sehen wie
Schaltpläne aus, oder besser noch wie Datenflussdiagramme. Die
Entstehung bzw.
Programmierung dieses Fakultät-Programms wird unter 3.5.
genauer
erläutert.
Die
Symbole für die verschiedenen Sprachelemente sind
selbsterklärend und können Auswahlmenüs
entnommen
werden. Im Folgenden werden
einige Sprachelemente von LabVIEW dargestellt. Zum Programmieren werden
die
Symbole mit der Maus an der gewünschten Stelle positioniert
und
dann
verdrahtet.
Rechnen:

Vergleich:

Strukturen:

Gerade
für den Einsatz im
experimentellen Bereich sind
graphische Programmiersprachen interessant, da sich messtechnische
Aufgaben
sehr gut auf Datenflussdiagramme abbilden lassen. Daher ist es nicht
verwunderlich, dass diese Art zu programmieren von Messtechnikfirmen
entwickelt
wurde. Die Unterstützung beim Zugriff auf Messtechnikhardware
und
Messgeräte
ist sehr gut.
3.1.
Vorteile von
LabVIEW:
Ein
Vorteil von LabVIEW gegenüber
anderer Software ist, dass
es ein flexibles Basiswerkzeug für Schulanwendungen ist. Es
sind
schon viele Lösungen
und Beispiele vorhanden, auf die man in der Schule
zurückgreifen
kann. Ein
weiterer Vorteil ist, dass standardisierte Schnittstellen zu den
Geräten
existieren. Weiter bietet LabVIEW einen leichten Einstieg sowohl in die
Datenerfassung als auch in die Programmierung, da LabVIEW auf einer
graphischen
Benutzeroberfläche basiert. Daher bietet LabVIEW eine
zeitminimierte
Programmierung anhand von VIs (virtuelle Instrumente). LabVIEW wird
daher auch
in der Industrie eingesetzt für rechnergestützte
Labormesstechnik, Test- und
Prüfanwendungen, allgemeine Medizintechnik und Bilderfassung.
LabVIEW ist
einfach zu bedienen und somit ohne Programmiererfahrung zu erlernen und
so auch
für die Schule geeignet. LabVIEW führt schnell zu
ansprechenden Erfolgen, wobei
die Motivation der Schüler gesteigert wird, es
fördert das
logische,
problemlösende Denken der Schüler. Außerdem
kann es
eine Erleichterung für den
Lehrer beim Vorführen von Demonstrationsexperimenten sein,
wobei
der Lehrer
auch leicht die Aufmerksamkeit der Schüler erreicht.
3.2.
Die
Funktionsweise von LabVIEW:
LabVIEW
ist
eine Programmiersprache wie z.B. Pascal, C oder C++. LabVIEW
hat aber, anders als die meisten Programmiersprachen, die die
textbasierte
Programmierung erfordern, eine Programmierung mit graphischen Symbolen.
Die
Programme werden in der Form von Flussdiagrammen erstellt, d.h. ein
„Knoten“
wird nur dann bearbeitet, wenn aus allen Datensträngen die
Daten
verfügbar
sind. Ein komplettes Programm nennt man in LabVIEW virtuelles
Instrument (VI).
Dieses kann die Daten erfassen, analysieren und
repräsentieren.

Menüleiste
von LabVIEW
Zuerst
können die Daten mit Hilfe
eines Interfaces über eine
Computerschnittstelle erfasst werden. Dann können diese Daten
mit
Hilfe von
Operatoren ausgewertet werden und dann am Bildschirm z.B. in der Form
eines
Diagramms dargestellt werden. Dazu gibt es in LabVIEW zwei verschiedene
Fenster, das Frontpanel und das Blockdiagramm. Das Frontpanel ist die
Bedienoberfläche und dort sitzen die Instrumente, die oft die
Form
und Gestalt
von bekannten Instrumenten haben (z.B. Thermometer, Digitalanzeige,
Zeigerinstrument, Graphen, Schalter, Drehknöpfe,
Lämpchen).
Der Benutzer des
Programms bedient das Frontpanel, indem er die Eingangsparameter
eingibt bzw.
diese verändert.

Das
Frontpanel von LabVIEW

Die
eigentliche Programmierung findet
man im Blockdiagramm.
Dies ist der sogenannte Quellcode des VIs. Dieser ist im Gegensatz zu
z.B. C
wiederum graphisch gehalten.
Im
Frontpanel
kann man eine Eingabepalette öffnen. Diese enthält
alle
Bedien- und Anzeigeelemente. Diese können vom Benutzer einfach
durch „drag and
drop“ auf das Frontpanel gesetzt und angepasst werden, wobei
das
selbe
Instrument auch als Symbol im Blockdiagramm erscheint. Im Blockdiagramm
kann
man die Funktionspalette öffnen, in der man alle Zeichen
für
logische
Strukturen, mathematischen Funktionen, usw. findet. Diese
können
wiederum durch
„drag and drop“ einfach auf in das Blockdiagramm
gesetzt
werden. Nach dem
Setzen muss man die Ein- und Ausgänge der Instrumente
entsprechend
verbinden.
Dazu gibt es ein Verbindungswerkzeug in der Form einer Garnrolle. Diese
findet
man in der Werkzeugpalette, die sowohl im Frontpanel als auch im
Blockdiagramm
sichtbar ist. Mit dieser Werkzeugpalette kann man auch die
Beschriftung, die
Größe und die Farbe der einzelnen Instrumente
ändern.

Das
Blockdiagramm von LabVIEW
3.3.
Einsatzbereiche
von LabVIEW in der Schule:
LabVIEW
kann in der Schule dort
eingesetzt werden, wo
Messdaten erfasst, bearbeitet und ausgewertet werden sollen. Man kann
LabVIEW
sowohl für Demonstrationszwecke von Experimenten verwenden,
als
auch für ein
experimentelles Praktikum. Auch für Facharbeiten im Fach
Physik
oder Informatik
kann LabVIEW eingesetzt werden. Hier einige Beispiele:
- Aufnahme von
Strom-Spannungs-Kennlinien von Dioden oder Glühlampen
- Aufnahme von zeitlichen
Spannungsverläufen (Induktionsspannung, Wechselspannung)
- Zeitmessungen
- Zeitlicher Verlauf eines
Tonsignals (Mikrophon)
- Registrierung von
radioaktiven Zählraten
3.4.
Ein
kleines Programm zur Verdeutlichung von LabVIEW:
In
diesem Kapitel soll die graphische
Programmierung mit
LabVIEW an einfachen Beispielen veranschaulicht werden. Die Aufgabe
soll nun
sein, ein Programm zur Umrechnung von Temperaturen von der Einheit
Fahrenheit
in die Einheit Grad Celsius zu schreiben. Die Umrechnung ist Tc =
(TF
– 32)/1,8. Zuerst öffnet man das Programm LabVIEW
und
öffnet ein neues VI („new“
und dann „Blank VI“). Dann erscheint am Bildschirm
ein
Fenster mit Kästchen auf
grauem Hintergrund. Dies ist das Frontpanel. Ebenfalls erscheint im
Hintergrund
ein zweites Fenster, dessen Hintergrund weiß ist, dies ist
das
Blockdiagramm.
Falls dies nicht automatisch geöffnet wird, kann man das
Blockdiagramm
erhalten, indem man auf „Window“ und dann
„Show Block
Diagram“ klickt. Auf dem
Frontpanel kann man verschiedene Eingabe- und Ausgabeinstrumente (z.B.
numerische Anzeigen, Zeigerdiagramme,…) platzieren. Dazu
muss
man die Eingabepalette
(Controls Palette) durch Anklicken von „Windows“ in
der
oberen Anzeigeleiste
und dann „Show Controls Palette“ anklicken. Nun
erscheint
ein neues Fenster, in
dem man unten rechts auf „All Controls“ klickt.
Für
unser Umrechnungsprogramm
benötigen wir nun zuerst eine numerische Eingabe für
den
Temperaturwert in
Fahrenheit, der dann vom Programm später umgerechnet werden
soll.
Dazu klickt
man nun in der Control Palette auf das Icon
„Numeric“ (oben
links im Fenster).
Dann klickt man auf das Icon „Numeric Control“
(Numerische
Eingabe). Um dieses
Instrument nun auf das Frontpanel zu setzen, führt man den
Cursor
auf die
gewünschte Stelle auf dem Frontpanel und klickt einmal mit der
linken
Maustaste. Dann erscheint an dieser Stelle das Instrument
„Numeric“. Nun
benötigen wir noch ein Instrument, das uns die umgerechnete
Temperatur in Grad
Celsius anzeigt. Dies erhalten wir,indem wir in der Control Palette auf
„Numeric Indicator“ klicken und dann wie oben
dieses
Instrument auf dem
Frontpanel platzieren. Es erscheint am Frontpanel das Instrument
„Numeric 2“.

Frontpanel
Zur
gleichen Zeit erscheinen im
Blockdiagramm ebenfalls die
Instrumente „Numeric“ und „Numeric
2“.

Blochdiagramm
Im
Blockdiagramm steht ebenfalls eine
Palette ähnlich wie im
Frontpanel zur Verfügung, dies ist die Funktionspalette. Man
erhält das
Fenster, indem man unter „Window“ auf
„Show Functions
Palette“ klickt und dann
in dem geöffneten Fenster auf das Icon „All
Functions“
klickt. Diese Functions
Palette enthält alle Operationen und Strukturen, die
für die
Verknüpfung und
Programmierung notwendig sind (z.B. Rechenoperationen, …).
Nun
kann man die Bezeichnung der
einzelnen Instrumente
(„Numeric“, „Numeric 2“) auch
ändern. Dies
geschieht durch einen Doppelklick
auf die Schrift. Nun kann man die neue Bezeichnung eingeben, z.B.
„Temperatur
in F“ und „Temperatur in °C“.
Dies kann man
sowohl im Frontpanel als auch im
Blockdiagramm machen, wobei sich die Bezeichnung im jeweils anderen
Fenster
dementsprechend mitverändert. Es sei hier nur noch angemerkt,
dass
man die
Bezeichnung der Instrumente auch beibehalten kann und das Programm
trotzdem
funktioniert, aber zur besseren Anschaulichkeit und Übersicht,
vor
allem auch
bei größeren Programmen, ist es sinnvoll die
Instrumente
nach ihren Aufgaben zu
benennen.

Wenn
wir uns die Formel für die
Umrechnung betrachten (Tc =
(TF
– 32)/1,8), müssen wir
nun erst vom Temperaturwert in
Fahrenheit TF 32
subtrahieren und das Ergebnis durch 1,8
teilen. Um
nun 32 von TF
zu subtrahieren benötigen wir einen
„Subtraktions-Operator“. Diesen finden wir im
Blockdiagramm
in der Functions
Palette unter „Numeric“. Dort gibt es das Symbol
Subtract.
Dieses klickt man an
und setzt es im Blockdiagramm zwischen die beiden Instrumente.

Das
Symbol „Subtract“ hat
zwei Eingänge für zwei Zahlen x
und y und einen Ausgang für die Zahl x-y. Nun muss man das
Eingabe-Element
„Temperatur in F“ mit dem oberen Eingang des
„Subtract“ verbinden. Dazu führt
man den Cursor über das Eingabe-Element bis sich der Cursor in
eine „Garnrolle“
verwandelt und klickt dann. Nun erscheint eine Leitung, sobald man den
Cursor
bewegt. Diese Leitung muss man nun mit dem oberen Eingang des
„Subtract“
verbinden, indem man den Cursor über den Operator bewegt,
wieder
auf die
Garnrolle wartet und klickt.
Nun
benötigt man eine Konstante
mit dem Wert 32. Diese
findet man in der Function Palette unter Numeric. Dort gibt es eine
„Numeric
Constant“. Diese klickt man an und setzt sie in das
Blockdiagramm. Diese hat
den Wert 0. Diesen kann man auf 32 ändern, indem man nun
einfach
32 eintippt.
Diese Konstante verbindet man nun (wie vorher das Eingabe-Element) mit
dem
unteren Eingang des „Subtract“.
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